Buddhistische Ketten: Herkunft und Bedeutung der Mala

Buddhistische Ketten sind Zählketten: Perlenketten, mit denen Wiederholungen eines Mantras oder Gebets gezählt werden. Die bekannteste von ihnen ist die Mala mit ihren 108 Perlen. Sie ist rund 3.500 Jahre alt, stammt nicht ursprünglich aus dem Buddhismus, und ähnliche Ketten gibt es in fast jeder großen Religion. Hier findest du, woher sie kommt, welche Rolle sie in den einzelnen Traditionen spielt und was ihre Teile bedeuten.

Buddhistische Kette mit 108 Perlen, handgeknüpft von Moon Dance Charms

Was ist eine buddhistische Kette?

Der gebräuchliche Name ist Mala, vom Sanskrit-Wort für "Girlande". Sie besteht aus 108 Zählperlen, einer größeren Guru-Perle und meist einer Quaste. Andere Namen für dieselbe Sache sind Japa-Mala, Gebetskette oder buddhistische Gebetskette.

Der Zweck ist schlicht: Wer ein Mantra hundertmal wiederholt, kann nicht gleichzeitig mitzählen. Die Perlen übernehmen das Zählen, damit der Kopf frei bleibt. Alles Weitere, die Zahl 108, die Guru-Perle, die Quaste, die Materialien, hat sich um diese praktische Funktion herum angelagert.

Woher die Mala kommt

Ursprung im alten Indien

Die ersten Zählketten dieser Art wurden vor etwa 3.500 Jahren in Indien verwendet, und zwar im Hinduismus, nicht im Buddhismus. Sie dienten dazu, die Wiederholungen eines Mantras während der Meditation zu zählen.

Das ist ein Detail, das oft untergeht: Die Mala ist älter als der Buddhismus. Als der Buddhismus im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstand, übernahm er eine bereits bestehende Praxis.

Die Verbreitung über Asien

Mit dem Buddhismus wanderte die Mala nach Tibet, Nepal, China, Korea und Japan. In jeder Region entwickelten sich eigene Ausprägungen: In Indien werden Malas traditionell zwischen den Perlen geknotet, in Tibet, Nepal und China meist nicht. Die Materialien unterscheiden sich ebenso, dazu unten mehr.

Buddhistische Gebetskette aus Rudraksha-Samen
Hier findest du diese Rudraksha-Mala

Die Mala im Buddhismus

Im Buddhismus wird die Mala für die Mantra-Rezitation verwendet. Jede Perle steht für eine Wiederholung. Das bekannteste Mantra dieser Praxis ist "Om Mani Padme Hum", das im tibetischen Buddhismus mit dem Bodhisattva des Mitgefühls verbunden wird.

Die Zahl 108 wird im Buddhismus häufig mit den Begierden erklärt, die auf dem Weg zur Erleuchtung überwunden werden sollen. In vielen Tempeln führen 108 Stufen zum Eingang, und in Japan werden zu Neujahr 108 Glockenschläge geläutet.

Die Mala im Hinduismus

Im Hinduismus heißt die Praxis Japa: das wiederholte Rezitieren eines Mantras oder eines göttlichen Namens. Die Mala zählt dabei mit. 108 entspricht hier unter anderem der Zahl der Namen Brahmas.

Traditionell werden im Hinduismus Malas aus Rudraksha-Samen mit Shiva verbunden und Malas aus Tulsi-Holz mit Vishnu. Die Materialwahl ist also nicht nur Geschmack, sondern folgt einer Zuordnung.

Zählketten in anderen Traditionen

Das Prinzip ist so nützlich, dass es fast überall unabhängig auftaucht.

Der katholische Rosenkranz zählt Gebete und gliedert das Nachdenken über das Leben Jesu. Die islamische Misbaha hat meist 99 Perlen, für die 99 Namen Gottes. Die orthodoxe Komboskini ist eine geknüpfte Wollschnur mit meist 100 Knoten.

Wer heute eine Mala trägt, steht damit in einer sehr breiten Tradition, die weit über den Buddhismus hinausreicht.

Verschiedene buddhistische Ketten und Malas aus Naturstein und Holz

Was die Teile bedeuten

Die 108 Perlen. Es gibt keine einzelne Erklärung für die Zahl, sondern viele überlieferte, die je nach Tradition unterschiedlich ausfallen. Sie ist in Hinduismus, Buddhismus und Yoga gleichermaßen bedeutsam.

Die Guru-Perle, auch Sumeru- oder Meru-Perle genannt, ist größer als die anderen und schließt die Runde ab. Sie steht traditionell für den Lehrer oder die Führung auf dem Weg. Über sie wird nicht hinweggezählt: Wer weitermachen will, kehrt um.

Die Quaste hängt unter der Guru-Perle. Ihre vielen einzelnen Fäden, die in einem Knoten zusammenlaufen, werden traditionell als Bild für Verbundenheit gelesen.

Die traditionellen Materialien

Rudraksha-Samen

Die Samen des Baums Elaeocarpus ganitrus, mit ihrer charakteristisch rauen, gefurchten Oberfläche. Im Hinduismus gelten sie als heilig und werden mit Shiva verbunden. Sie sind leicht, warm im Griff und dunkeln über die Jahre nach.

Bodhi-Samen

"Bodhi" heißt auf Sanskrit Erwachen. Der Überlieferung nach erlebte Buddha sein Erwachen unter einem Bodhi-Baum, weshalb die Samen als Sinnbild dieses Weges gelten. In Tibet und Nepal sind Bodhi-Malas besonders verbreitet.

Sandelholz und Tulsi

Sandelholz ist das klassische indische Malaholz und behält seinen Duft über Jahre. Tulsi-Holz wird im Hinduismus mit Vishnu verbunden.

Edelstein und Naturstein

Eine jüngere Entwicklung, aber heute die verbreitetste. Amethyst, Rosenquarz, Tigerauge, Lapislazuli und Howlith gehören zu den häufigsten. Welche Farbe traditionell wofür steht, findest du in unserem Leitfaden zur Mala Kette Bedeutung.

Mala Kette aus Lapislazuli mit 108 Perlen
Hier findest du diese Lapislazuli-Mala

Eine buddhistische Kette respektvoll tragen

Malas werden heute weltweit von Menschen mit und ohne religiösen Bezug getragen, und das ist in Ordnung. Ein paar Punkte, die in den Traditionen selbst als üblich gelten und die man leicht beachten kann:

Die Mala wird traditionell in der rechten Hand gehalten und mit dem Daumen weitergeschoben, wobei der Zeigefinger nicht benutzt wird. Über die Guru-Perle wird nicht hinweggezählt. Und die Kette wird nicht auf den Boden gelegt.

Wenn du sie schlicht als Schmuck trägst, gilt nichts davon zwingend. Es lohnt sich trotzdem zu wissen, woher die Kette kommt, die man um den Hals hat.

Häufige Fragen

Ist eine Mala dasselbe wie eine buddhistische Kette?

Meistens ja. "Buddhistische Kette" ist die gebräuchliche deutsche Umschreibung für die Mala. Streng genommen stammt die Mala aus dem Hinduismus und wurde vom Buddhismus übernommen.

Muss ich Buddhist sein, um eine zu tragen?

Nein. Malas werden von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft für Meditation, Achtsamkeit oder als Schmuck getragen.

Warum haben manche Malas keine 108 Perlen?

Kürzere Varianten mit 54 oder 27 Perlen sind traditionell üblich, meist als Handmala oder Armband. Man zählt dann zwei oder vier Runden.

Was bedeutet "Om Mani Padme Hum"?

Es ist das bekannteste Mantra des tibetischen Buddhismus und wird mit Mitgefühl verbunden. Eine wörtliche Übersetzung gibt es nicht, die Silben werden traditionell als Ganzes gelesen. Mehr Mantras mit Bedeutung findest du in unserer Liste der Mala Mantras.

Was bedeutet die Quaste?

Viele Fäden, die in einem Knoten zusammenlaufen. Traditionell wird sie als Bild für Verbundenheit gelesen. Praktisch markiert sie das Ende der Kette.

Deine Mala finden

Unsere Mala Ketten mit 108 Perlen werden von Hand geknüpft, aus echten Natursteinen, Rudraksha oder Holz, und der Versand nach Deutschland ist kostenlos. Wie du mit einer Mala meditierst, findest du in unserem Leitfaden zur Mala Kette Anwendung.

Handgeknüpfte Mala Kette von Moon Dance Charms
Hier findest du diese handgeknüpfte Mala